In den Medien
“Eine bewusst weit gefasste Agenda”: Im Gespräch mit Franz Waldenberger
In: Wissen in Verbindung
Risiken und Chancen - Japans Herausforderungen angesichts einer zunehmend ungewisseren Zukunft
Forschungsschwerpunkt seit Oktober 2014
Ein multidisziplinäres und komparatives Forschungsprogramm
Seit Oktober 2014 beschreibt das Forschungsprogramm „Risiken und Chancen – Japans Herausforderungen angesichts einer zunehmend ungewisseren Zukunft“ die allgemeine Forschungsausrichtung des Instituts. Die Resilienz unserer Gesellschaften und die Nachhaltigkeit unserer Lebensformen hängen wesentlich davon ab, wie wir mit den, einer ungewissen Zukunft inhärenten Risiken und Chancen umgehen. Viele unserer Verhaltensweisen und Strategien, aber auch soziale, wirtschaftliche und politische Institutionen bringen direkt oder indirekt zum Ausdruck, wie wir Unsicherheit zu bewältigen versuchen oder – allgemeiner formuliert – wie wir dem Wissen um unsere Unwissenheit Rechnung tragen.
Für eine Analyse von Risiken und Chancen bietet sich Japan als idealer Untersuchungsgegenstand an. Stärker als andere Industrieländer sieht sich Japan mit einer Reihe sozialer, wirtschaftlicher und politischer Herausforderungen konfrontiert. Dazu zählen:
- eine rapide alternde und nun auch schrumpfende Bevölkerung,
- wachsende Einkommensdisparitäten im Kontext diversifizierter Beschäftigungsformen sowie zunehmende Armut,
- eine Staatsverschuldung auf Rekordniveau, aufgebaut in einem seit langem bestehenden deflationären Umfeld und unterstützt durch eine expansive Geldpolitik von historischem Ausmaß,
- energiepolitische Abwägungen zwischen der Wiederinbetriebnahme von Kernkraftwerken, dem teuren Import fossiler Brennstoffe und dem zügigen Ausbau erneuerbarer Energien,
- durch nationalistische Tendenzen erzeugte politische Spannungen mit direkten Nachbarländern, welche die historische Aussöhnung sowie auch die wirtschaftliche Integration gefährden,
- technischer Fortschritt, etwa in den Life Sciences oder bei digitalen Infrastrukturen und Technologien, die Anpassungsprozesse in Wirtschaft und Gesellschaft sowie zusätzliche Anstrengungen in den Bereichen Bildung, Forschung und Entwicklung, aber auch Antworten auf ethische Fragen erfordern.
Im Falle Japans wiegen diese Herausforderungen besonders schwer, da sie nicht nur mit-einander verwoben, sondern auch oft eine deutlich größere Dynamik aufweisen als in den meisten anderen OECD-Ländern. Wie Japan als zweitgrößte, hochentwickelte Volkswirtschaft und Technologienation mit den damit verbundenen Risiken und Chancen umgeht, ist über seine Grenzen hinaus für Asien und die Welt von erheblicher Bedeutung.
Unser Forschungsprogramm ist offen sowohl für Projekte aus genuinen Bereichen der Risikoforschung, wie der Analyse von individuellen Risikoeinstellungen, Privat- und Sozialversicherungen, Risikomanagement und Unternehmertum, als auch für Fragestellungen aus allgemeineren gesellschafts- und wirtschaftspolitischen Themenfeldern wie Wohlfahrts- und Energiepolitik, Gesundheit und Nahrungsmittelsicherheit, Beschäftigung oder internationalen Beziehungen. Darüber hinaus wenden wir die Risiko-Chancen-Perspektive auf die Untersuchung der Auswirkungen tiefgreifender gesellschaftlicher Veränderungsprozesse an. Dazu gehören Globalisierung und demographischer Wandel ebenso wie der Bedeutungsverlust traditioneller Sozialstrukturen.
Wir nähern uns den verschiedenen Forschungsfragen mithilfe theoretischer Konzepte und Ansätze der jeweiligen sozial- und geisteswissenschaftlichen Disziplinen. Wo es sich anbietet, werden die in Einzelprojekten auf Basis unterschiedlicher disziplinärer Zugänge gewonnenen Erkenntnisse interdisziplinär reflektiert. Entsprechende Diskurse ermöglichen es uns, Gemeinsamkeiten und Komplementaritäten aufzuzeigen, die Einsichten bestätigen bzw. ergänzen. Sie können aber auch zu Widersprüchen führen und dadurch weitere Untersuchungen anregen. In internationalen Forschungskooperationen können die zu Japan gewonnenen Ergebnisse vergleichend reflektiert und die Einflüsse nationaler Kontextfaktoren analysiert werden.
Mit unserem Forschungsprogramm wollen wir zu einem besseren Verständnis der japanischen Kultur, Gesellschaft, Wirtschaft und Politik beizutragen. Die multi- und interdisziplinären Ansätze sowie komparativen Projekte tragen auch zur Weiterentwicklung von Theorien und Methoden bei. Zugleich erweitern und vertiefen sie unsere Kenntnisse über die Qualität und Bedeutung von Risiken und Chancen in einer zunehmend komplexeren und dynamischeren Umwelt.
Die Seite Forschungsüberblick erläutert, wie dieses Forschungsprogramm in aktuell vier Forschungsschwerpunkten sowie weiteren Einzelprojekten umgesetzt wird.